Fernbusse aktueller Überblick Frühling 2014
#1
Ein aktueller Kurzüberblick über die aktuelle Entwicklung der deutschen Fernbusse:

1) Marktführer MEINFERNBUS hat zwar mehrere seiner ersten Buspartner wieder verloren aber auch mehrere neue gefunden und mit den anderen bestehenden Partner wird die Anzahl der eingesetzten Busse parallel zu neuen Linien und Angebotserweiterungen erhöht. Sehr positiv sind auch die zusätzlichen Nachtlinien zu sehen sowie weitere Linien in Urlaubsregionen und in ausländische Städte wie z.B. Innsbruck und Amsterdam. Auch die Kapazitäten der eingesetzten Busse steigen langsam aber sicher an, so kommen jetzt vermehrt auch lange Dreiachser und Doppeldecker auf diversen Hauptstrecken zum Einsatz, neu z.B. auf Berlin-Stuttgart. Mit Servicepersonal in einigen Städten ganztägig vor Ort, Wartelounge und weiteren Leistungen wie z.B. kostenloser Stornierung fällt Meinfernbus desweiteren positiv auf. Allerdings sind dafür die Ticketpreise auch oft etwas höher als bei Mitbewerbern - besonders auf Monopolrouten wie z.B. nach Luxemburg und auch an besonders starken Reisetagen während der Ferien oder Feiertagen.

2) Zweitgrößter Anbieter ist FLIXBUS. Auch hier wird das bundesweite Netz regelmäßig weiter ausgebaut und ist inzwischen ähnlich flächendeckend wie das von Meinfernbus. Oft gibt es zwar weniger Abfahrten pro Tag, dafür ist man aber auch meist noch billiger bei den Ticketpreisen als Meinfernbus. Sehr positiv ist hier das System mit dem Einsatz von vielen Zusatzbussen an verkehrsstarken Tagen zu sehen, dadurch kommen viele Reisende auch an Spitzentagen in den Genuß günstiger Tickets. Genauso wie Meinfernbus entwickelt sich auch Flixbus sehr positiv

3) Nummer drei ist aktuell ADAC-POSTBUS wo ein bundesweites Basisnetz betrieben zwischen den größten deutschen Städten. Die Linie Berlin-Hamburg funktioniert noch halbwegs gut, hier wird mit großen hochwertigen Altano-Bussen mit relativ vielen täglichen Abfahrten gefahren. Alle anderen Linien laufen mit den weniger beliebten Omni-Express-Bussen, sehr langen Fahrzeiten und vielen Zwischenhalten und wenigen Abfahrten am Tag. In Kombination mit viel zu hohen Ticketpreisen sind die Busse daher weitgehend leer unterwegs... . Die ständigen Rabattaktionen mit Gutscheincodes helfen da auch nicht wirklich weiter - sowas finden nur Pfennigfuchser im Internet, der Normalbürger möchte aber einfach nur schnell, bequem und preiswert von A nach B und nicht umständlich erst irgendwo nach Rabatten suchen. Hier soll bald entschieden werden, ob ca. 140 weitere Busse dazukommen und das Netz massiv ausgebaut werden soll oder ob der Betrieb langfristig wieder eingestellt wird.

4) Der frühere Monopolanbieter BERLINLINIENBUS u.a. mit den Fernbuslinien der DB-Tochterunternehmen hat z.Zt. die größten Probleme. Geworben wird massiv mit "Deutschland steigt ein" und "Mehr Fernbus fürs Geld" - leider ist allerdings eher das Gegenteil der Fall. So mußten bereits mehrfach Linien zwischen wichtigen großen Städten mangels Nachfrage und überhöhter Preise wieder eingestellt werden und auch auf (noch) betriebenen Linien wurden diverse Abfahrten gestrichen. Obendrein kostet nach wie vor jedes Gepäckstück auch noch € 1,- extra - unglaublich, dass das noch nicht erkannt wurde, dass das überhaupt nicht aktzeptabel ist.

Da es auch nicht im Sinne der DB sein kann, die Fernbusticketpreise durch vermehrten Konkurrenzdruck weiter runter zu drücken ist zum Winterfahrplan mit der weiteren Einstellung diverser Linien zu rechnen. Bedenklich leer sind täglich normalerweise die Busse ab Ostbahnhof, die Linie nach Frankfurt sowie die Busse nach Hannover und Leipzig. Auch die Linien nach Bayern und Schleswig-Holstein werden weiter Fahrgäste verlieren - hier starten jetzt Meinfernbus und Flixbus auch noch Richtung Regensburg, Passau, Lübeck und Neumünster. Nach Thüringen sind die Busse jetzt schon deutlich leerer als noch vor ein paar Wochen. Zusammen mit den hohen Personalkosten (allein in Berlin sind 8 Ticketverkäufer pro Tag im Einsatz, viele Busse laufen mit 2 Fahrern), Werbekosten und nicht erkennbaren Änderungen zu dauerhaft sehr günstigen Fahrpreisen ist hier mittelfristig das deutliche Schrumpfen - eventuell sogar das Verschwinden der Marke Berlinlinienbus zu erwarten.

5) CITY2CITY gehört zu National-Express-Gruppe und stagniert jetzt seit fast einem Jahr mit einem westdeutschen Rumpfnetz. Auch hier sind die Ticketpreise oft zu hoch und man scheint allgemein die "Geiz ist Geil" Mentalität der Deutschen unterschätzt zu haben und viele der Busse sind auch oft schlecht besetzt unterwegs.

6) Der Fernbuspionier DEINBUS kommt auch nur sehr langsam mit der weiteren Expansion voran und betreibt aktuell mehrere Linien im süd- und westdeutschen Raum. Leider verkehren viele Busse nicht täglich und es gibt - ähnlich wie bei City2City meist nur kürzere Linien mit maximal 4 Stunden Fahrzeit.

7) ONEBUS ist erst vor kurzem mit zwei Linien gestartet, verkehrt teilweise auch nachts und wird in Kürze voraussichtlich noch zwei weitere eröffnen. Dank sehr günstiger Ticketpreise und kostenlosen Getränken an Bord füllen sich die neuen Busse nach und nach und es ist langfristig mit noch mehr Linien auch ins Ausland zu rechnen.

8) Die DB betreibt darüberhinaus noch mehrere IC-Buslinien als Ergänzung zum Bahnnetz.

9) Eurolines/Touring ist zwar vom Namen her bekannt, spielt innerdeutsch aber kaum eine Rolle - auch sind kaum weitere Linien zu erwarten. Hier wird es auch in den nächsten Jahren noch zu Problemen kommen, weil sowohl Meinfernbus, als auch Flixbus und vor allem die Stagecoach-Gruppe ihre internationalen Linien noch massiv ausweiten werden zu viel günstigeren Ticketpreisen als Eurolines/Touring und obendrein auch meist mit moderneren Bussen verkehren.

Also insgesamt eine sehr positive aktuelle Entwicklung im deutschen Fernbusmarkt, die auch nach und nach immer mehr Kunden von der Bahn und Mitfahrautos abzieht.
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#2
(02.04.2014, 19:26)busexperte schrieb: 4) Der frühere Monopolanbieter BERLINLINIENBUS u.a. mit den Fernbuslinien der DB-Tochterunternehmen hat z.Zt. die größten Probleme. Geworben wird massiv mit "Deutschland steigt ein" und "Mehr Fernbus fürs Geld" - leider ist allerdings eher das Gegenteil der Fall. So mußten bereits mehrfach Linien zwischen wichtigen großen Städten mangels Nachfrage und überhöhter Preise wieder eingestellt werden und auch auf (noch) betriebenen Linien wurden diverse Abfahrten gestrichen. Obendrein kostet nach wie vor jedes Gepäckstück auch noch € 1,- extra - unglaublich, dass das noch nicht erkannt wurde, dass das überhaupt nicht aktzeptabel ist.

Das liegt an der Gepäckversicherung und wird sich sicher nicht ändern. Da es ja nur die Fahrgäste zahlen die auch Gepäck haben!

(02.04.2014, 19:26)busexperte schrieb: Zusammen mit den hohen Personalkosten (allein in Berlin sind 8 Ticketverkäufer pro Tag im Einsatz, viele Busse laufen mit 2 Fahrern), Werbekosten und nicht erkennbaren Änderungen zu dauerhaft sehr günstigen Fahrpreisen ist hier mittelfristig das deutliche Schrumpfen - eventuell sogar das Verschwinden der Marke Berlinlinienbus zu erwarten.

Ich frage mich wie du auf 8 Ticketverkäufer kommst! Im BLB-Container sitzen 2 Leute die Tickets verkaufen und die anderen 2 sind für die Abfertigung der Busse zuständig.
Das einige Busse mit 2 Fahrer laufen ist ganz logisch. Die müssen ja auch mit Ihrer Lenk- und Ruhezeit hinkommen, sonst würden sich ja die Fahrtzeiten auf den Linien verlängern.
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#3
Dann sind es noch viel mehr als 8 Leute... - ich habe natürlich das Ticketbüro am Ostbahnhof mitgezählt. Und die Leute arbeiten ja nicht 14 Stunden am Tag - also 2 vormittags und 2 nachmattigs am ZOB und dito am Ostbahnhof = 8. Wenn dazu dann noch extra Abfertiger kommen (oft machen das auch die Ticketverkäufer) wären es noch mehr Personen. Und die arbeiten ja wohl für ein normales Monatsgehalt = erhebliche Fixkosten.

Je länger der Gepäck-Euro bleibt, umso mehr Fahrgäste gehen verloren. Man braucht nur mal daneben zu stehen, wie Spontanfahrgäste ganz überrascht und wenig erfreut reagieren, wenn sie dann plötzlich die Gepäckgebühr zahlen sollen beim Einstieg... . Die fahren nie wieder mit Berlinlinienbus... .

Langfristig erfolgreich sein werden nur effiziente Busmarken wo die 4-4,5 Stunden Lenkzeiten effektiv mit 1 Fahrer ausgenutzt werden wie das z.B. bei Stagecoach/Megabus der Fall ist. Nur wenn man mit Fahrerwechseln im 4 Stunden-Takt arbeitet oder mit dem Pendelfahrersystem und die Fahrer entsprechend verteilt wohnen, kann ich auf Dauer auch mit billigsten Preisen effektiv fahren. Mit 2 Fahrern oder auch Hotelbuchungen, das kann man jetzt am Anfang mal ein paar Monate machen, bis man Fahrer vor Ort eingestellt hat - aber damit wird man nicht langfristig erfolgreich sein. Die Konkurrenzsituation wird ja auch noch größer werden, es starten dieses Jahr voraussichtlich noch mehrere ganz neue Anbieter Smile und wenn Megabus flächendeckend auch in Deutschland da ist, werden sich nur noch die effektivsten Anbieter halten können.
Berlinlinienbus ist leider vergleichbar mit Schlecker, Karstadt, Kaufhof, Wertheim, Hertie etc. - deren Geschäftsmodell ging auch viele Jahrzehnte gut - nur irgendwann wurden sie von neuen Mitbewerbern mit neueren verbesserten Konzepten und günstigeren Preisen (Rossmann, DM, Müller // MediaMarkt, Saturn, Poco, Kaufland, Baumärkte, H+M, Primark etc.) überholt und haben es gar nicht (oder zu spät) gemerkt.
Beispiel Berlin-HH, die haben dort (noch) die größten Busse und den besten Takt. Wenn sie einfach alle Tickets für € 9,- verkaufen würden wären die Busse immer (fast) voll und z.B. nur 60 Tickets x € 9,- sind auch € 540,- = guter Gewinn für 3:10 Fahrt. Aber mit der aktuellen Preispolitik sitzen dann nur ca. 10 Leute drin die € 9,- gezahlt haben plus ein paar dumme Spontanfahrgäste die den Mondpreis von € 27,- gezahlt haben. Selbst am Wochenende gibt es viele Doppeldecker die nur mit ca. 20 Personen besetzt sind... . Da es aber nicht im Interesse der DB sein kann, dass die Buspreise weiter sinken (und damit die Preisspanne zu Bahntickets noch größer wird) fährt Berlinlinienbus vermutlich nicht diese billige Preisschiene. Die Deutschen wollen aber billig billig billig (deswegen ist es auch bei ALDI, POCO und PRIMARK voll und in teuren Läden leer) - und deswegen gehen Berlinlinienbus immer mehr Fahrgäste verloren und junge Leute, die auf jede 50 Cent gucken müssen steigen gar nicht erst ein.
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#4
In der Tat ist BLB Wucher, da ist sogar ADAC Postbus OHNE Rabattcodes günstiger.
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#5
(03.04.2014, 11:38)busexperte schrieb: Je länger der Gepäck-Euro bleibt, umso mehr Fahrgäste gehen verloren. Man braucht nur mal daneben zu stehen, wie Spontanfahrgäste ganz überrascht und wenig erfreut reagieren, wenn sie dann plötzlich die Gepäckgebühr zahlen sollen beim Einstieg... . Die fahren nie wieder mit Berlinlinienbus... .

Wie gesagt, dass wird sich nicht ändern, ausser der Fahrpreis wird dahingehend angepasst, dass das Gepäck im Preis enthalten ist und wird BLB nicht mitspielen!

(03.04.2014, 11:38)busexperte schrieb: Beispiel Berlin-HH, die haben dort (noch) die größten Busse und den besten Takt. Wenn sie einfach alle Tickets für € 9,- verkaufen würden wären die Busse immer (fast) voll und z.B. nur 60 Tickets x € 9,- sind auch € 540,- = guter Gewinn für 3:10 Fahrt. Aber mit der aktuellen Preispolitik sitzen dann nur ca. 10 Leute drin die € 9,- gezahlt haben plus ein paar dumme Spontanfahrgäste die den Mondpreis von € 27,- gezahlt haben. Selbst am Wochenende gibt es viele Doppeldecker die nur mit ca. 20 Personen besetzt sind... .

Das Problem sind doch die Kosten die bestehen. Hast du schon mal daran gedacht? Überlege mal was eine Tankfüllung für so einen Doppeldecker kostet und dann der Stundenlohn für den Fahrer. Da werden 60 x 9€ nicht ausreichen. Bei der Anzahl der Busse und der Fahrer die täglich unterwegs sind wird es nicht rechnen!
Noch mal als Hinweis: BerlinLinienBus ist nicht die Bahn. Die Bahntöchter Autokraft, RVD und Bayern-Express fahren nur da mit. HARU (Linie Hamburg), Steinbrück (Thüringen) und BVB sind keine Bahntöchter!! Die Bahn hat also kein 100%tiges Mitsprachrecht beim BLB!

(03.04.2014, 11:38)busexperte schrieb: Die Deutschen wollen aber billig billig billig (deswegen ist es auch bei ALDI, POCO und PRIMARK voll und in teuren Läden leer) - und deswegen gehen Berlinlinienbus immer mehr Fahrgäste verloren und junge Leute, die auf jede 50 Cent gucken müssen steigen gar nicht erst ein.

Das mag so sein, aber das ist eine Schiene auf die BLB nicht aufspringen wird. Das ist schon immer so gewesen und wird so bleiben.(Habe dort früher gearbeitet und kenne die Geschäftsführer, daher kann ich dass so sagen!)


(03.04.2014, 11:38)busexperte schrieb: Die Konkurrenzsituation wird ja auch noch größer werden, es starten dieses Jahr voraussichtlich noch mehrere ganz neue Anbieter Smile und wenn Megabus flächendeckend auch in Deutschland da ist, werden sich nur noch die effektivsten Anbieter halten können.
Ich glaube nicht dass diese Jahr noch viele dazu kommen werden. Ich glaube eher dass sich ein oder zwei Anbieter vom Markt verabschieden werden, da dieser gut gesättigt ist (Ab Berlin zumindest). Von Megabus habe ich noch nie etwas gehört daher kann ich dazu nichts sagen.

(03.04.2014, 11:38)busexperte schrieb: Langfristig erfolgreich sein werden nur effiziente Busmarken wo die 4-4,5 Stunden Lenkzeiten effektiv mit 1 Fahrer ausgenutzt werden wie das z.B. bei Stagecoach/Megabus der Fall ist. Nur wenn man mit Fahrerwechseln im 4 Stunden-Takt arbeitet oder mit dem Pendelfahrersystem und die Fahrer entsprechend verteilt wohnen, kann ich auf Dauer auch mit billigsten Preisen effektiv fahren. Mit 2 Fahrern oder auch Hotelbuchungen, das kann man jetzt am Anfang mal ein paar Monate machen, bis man Fahrer vor Ort eingestellt hat - aber damit wird man nicht langfristig erfolgreich sein.

Dann hat man aber auch wieder kosten die entstehen (Hotel, Spesen usw.) und dann kann man auch das bisherige Modell fahren oder?!
Der "Wechselfahrer" muss ja auch bezahlt werden. Stell Dir mal vor der steht z.B. in Bielefeld und wartet auf den Bus aus Berlin. Der hat aber 2-3 Stunden Verspätung. Der wartet also bis der Bus da ist und wird trotzdem bezahlt. Das wird also im Endeffekt teurer für BLB!
Der BLB hat einfach Strecken wo es seit Jahrzehnten so gemacht wird und wird es auch dabei belassen.
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#6
Ohne die Debatte hier ausufern zu lassen mit Kosten, Pendelfahrer etc. - AirBerlin hat bis heute auch nicht verstanden, warum Easyjet, Ryanair und Norwegian gute Gewinne mit billigen Tickets machen und sie selber große Verluste trotz höherer Ticketpreise und dem "Deutsche-Airline-Bonus"... .

Wie gesagt, wenn BLB nicht eine radikale Kehrtwendung macht, wird es die in ein paar Jahren kaum noch geben.

ZU DEN BUSANBIETERN:
Bei ADACPostbus ist es momentan etwas unklar - die Führungsspitze wird ja beim ADAC z.Zt. komplett ausgetauscht und dann werden sich die neuen Spitzen sicher zusammensetzen und beratschlagen, wie es weitergehen soll.
Ähnlich schätze ich die Lage bei City2City ein. Beide Marken haben die "Geiz ist Geil" Dynamik der Deutschen unterschätzt und dachten, sie bekommen die Busse auch mit Fahrpeisen über € 20,- voll.
Deswegen kann es hier tatsächlich passieren, dass jemand entscheidet wieder aus dem deutschen Markt auszusteigen. Es kann aber auch sein, dass weiter ausgebaut wird, ADAC z.B. noch mehr auf einen Stundentakt und mehr Scania-Altano/Astromega-Busse setzen wird und offiziell will ja City2City immernoch Marktführer werden... - da muß auch alle Strecken rund um Berlin massiv im Angebot haben.

Flixbus und Meinfernbus werden weiter massiv ausbauen - für gesättigt halte ich aber nichts fernbusmäßig. Es ist eher so, dass langsam aber sicher immer mehr Leute aller Altersgruppen und Bevölkerungsschichten den Fernbus mal ausprobieren und dann auch meist dabei bleiben. D.h. es werden nach und nach immer mehr Fahrgäste insgesamt, auch auf den Berliner Linien. Das kann man aktuell z.B. sehr gut auf den neuen Linien von Flixbus und MFB nach Thüringen sehen. Es sind zwar bei BLB jetzt weniger Fahrgäste drin als vorher, aber in den neuen Bussen sitzen deutlich mehr Fahrgäste als in den BLB-Bussen Fahrgäste verloren gegangen sind. Das wird jetzt nach Neumünster/Lübeck, Bayr. Wald genauso kommen. Der Gesamtmarkt wächst also stetig - und am meisten profitieren davon Flixbus und Meinfernbus.

Megabus = Polskibus. Die kennst Du sicher vom ZOB in Berlin, das ist derselbe Besitzer, ein Milliardär aus Schottland. Deswegen laufen dort auch dieselben Bustypen (meist Altanobusse) und es gibt ein ähnliches sehr günstiges Preissystem. Auf manchen Linien gibt es sogar gratis Snacks und Getränke und meist wird im Stundentakt oder 2-Stundentakt - oft auch mit Doppeldeckern - gefahren. Die sind ganz klar Marktführer in England und Polen z.B. . Ich rechne mit einem Markteinstieg in Deutschland ca. 2015 - aber ich bin kein Hellseher oder Wahrsager... Smile.

Und es werden auch noch ganz neue Anbieter dazukommen, z.B. noch "künstliche" gepuschte Start-Up Marken vom Typ "Rocket Internet" aber auch von Busunternehmen/Reisebüros selber organisierte Marken/Linien wie z.B. Onebus/CS-Reisen oder Lutz-Kocher-Münchenlinie. Je mehr die ganzen Suchportale wie hier z.B. Busliniensuche nach und nach bekannt werden, umso eher kann ein Reisebüro/Busunternehmer auch ohne Marketing-Dachmarke (wo ja dann viel Geld von den Ticketeinahmen verbleibt) genügend Fahrgäste finden. BusXpress hat zwar wieder aufgegeben - aber LutzKocher und Onebus z.B. scheinen relativ gut zu laufen... und (fast) ohne Werbungskosten. Vor allem größere Buspartner mit vielen Bussen könnten nach Vertragsende auch "ihre" Linien selber betreiben unter einem eigenen neuen Markennamen. Das kommt bei den Bussen ähnlich wie bei Airlines und Hotels - da checkt auch kaum noch jemand die einzelnen Airlines oder Hotelketten ab, sondern die meisten nutzen die Suchmaschinen wie z.B. Booking.com, Hotel.de, Expedia, Trivago, Swoodoo, Flüge.de usw. . Wer preiswert anbietet, braucht dann keine zusätzliche Werbung mehr und spart sich die hohen Provisionen an die Dachmarken.
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#7
(03.04.2014, 16:59)Krümel schrieb: Stell Dir mal vor der steht z.B. in Bielefeld und wartet auf den Bus aus Berlin. Der hat aber 2-3 Stunden Verspätung. Der wartet also bis der Bus da ist und wird trotzdem bezahlt.

Oder der Bus kommt gar nicht an, weil die Lenkzeit zu Ende ist. Auf fernbus-bewertung.de gibt es entsprechende berichte.
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#8
Megabus ist in GB ungefähr so ein Marktführer wie DeinBus in Deutschland... Wink

Stichwort: National Express?!

Billigmarktführer vielleicht, aber nicht wirklich Marktführer...
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#9
??? Also Megabus mit Deinbus zu vergleichen ist Quatsch.

Nach meinen Infos ist Stagecoach Marktführer bei den auf eigene Rechnung und Risiko gefahrenen Fernlinien. Und nur die sind vergleichbar. National Express fährt viele Stadtbusverkehre, Regiobusse etc. im Auftrag zu festen Sätzen - das zählt aber nicht... . Wen das genauer interessiert wer nun wirklich wie wo wann die Nr. 1 ist, der kann ja bei Wikipedia nachforschen... .

Entscheidend ist für mich, wer die meisten Fernbusse einsetzt, die besten Taktfrequenzen bietet und die meisten Fahrgäste transportiert. Ein großer Teil der Abfahrten mit viel Luft im Bus rumfahren (wie in Deutschland meist bei Berlinlinienbus und ADAC oft der Fall, wo viele Busse mit 4, 6 oder 8 Fahrgästen besetzt sind) - davon hat kein Fahrgast etwas. Auch wenn die Verluste dabei von großen Konzernen (wie Post und DB) aufgefangen werden.

Darüberhinaus zeichnet sich ein Marktführer auch durch neue innovative Konzepte und die möglichst besten und neuesten Busmodelle aus. Auch da ist Stagecoach führend, z.B. mit der gratis Verteilung von Croissants, Eis, Kaffee und Softdrinks bei Polskibus durch Bushostessen, den Schlafbussen Gold bei Megabus und dem hohen Anteil an Doppeldeckern mit 90 Plätzen und gleich ab Werk mitgelieferten Heckkoffern etc. .

Das Konzept mit vergleichsweise kleinen Bussen von National Express halte ich für wenig zukunftsträchtig - vor allem nicht im bevölkerungsstarken Deutschland mit der größten und dichtesten Anzahl an Großstädten und Universitätsstädten.

NOCH ZUM THEMA BILLIG:
Langfristig werden sich nur kosteneffiziente "billige" Anbieter durchsetzen. Das ist immer und überall so, ob im Einzelhandel, wo eben "alle" bei Kaufland, Poco, MediaMarkt, Primark und im Baumarkt kaufen und eben nicht bei Kaufhof oder Karstadt (und deswegen gibt es auch Hertie, Wertheim, Horten etc. schon lange nicht mehr) oder auch z.B. Airlines, wo es Easyjet, Ryanair und Norwegian bestens geht, die jedes Jahr größer werden und allen anderen Airlines mehr schlecht als recht bzw. ständig Pleite sind wie z.B. Alitalia und Air Berlin.

Allein schon weil die Bahn weiter ihre Sparpreiskontingente erhöhen wird/muß, müssen die Busse weiter runter. Die Leute fahren ja nicht von Hbf. zu Hbf. sondern z.b. von Strausberg nach Backnang oder von Buxtehude nach Holzkirchen. D.h. ich muß beim Fernbus immer noch ein paar Euro dazurechnen für den Vor- und Nachlauf zur Hauptstrecke. Wenn das Langstrecken-Ticket dann über € 20,- kostet, bin ich mit Vor- und Nachlaufkosten auch schnell bei € 30,- und kann dann auch gleich mit dem Zug fahren, z.B. mit € 29,-/€39,- Sparpreis und Bahncard25 Rabatt. Auch deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass z.B. Meinfernbus langfristig an den Einstiegspreisstufen € 22,- € 25,- € 28,- festhalten kann. Im Moment geht das teilweise noch, auch weil es wenig nennenswerte große Konkurrenzanbieter gibt und die Bahn erst gerade anfängt, mit den Sparkontingenten etwas runter zu gehen - aber da werden auch gerade im Sommer weitere Angebote kommen wie z.B. eine WM-Bahncard oder wieder dieser Deutschlandpass in den Sommerferien.

Weiteres Problem ist das gemeinsame Fahren mit mehreren Leuten im Bus. Onebus ist gefühlt der Pärchen-Bus mit einem hohen Anteil von Pärchen. Warum ? Weil es gerade mit mehreren Leuten sonst im Bus schnell zu teuer wird. Jeder Euro mehr vervielfacht sich ja sofort, hin- und rück, pro Person etc. . Also werden hier auch die preiswertesten Anbieter profitieren. Man sieht das auch gut bei Berlinlinienbus - die könnten auch Single-Bus heißen... .

Beispiel: Auf mehreren MFB-Bussen klebt noch groß "HH-Kiel ab € 15,-". Das ist viel zu teuer und deshalb sind die Busse dort schlecht besetzt, es gibt Semestertickets und SH-Tickets, gerade für Tages- oder Partyausflüge nach Hamburg zum Shoppen z.B. ist der Bus viel zu teuer - und die meisten Mädels gehen eher zu zweit shoppen... Für ca. € 20,- kann man mit mehreren Leuten im sparsamen Auto eine Tagesfahrt machen. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn die Busse - selbst am Freitag z.B. sehr schlecht besetzt sind (z.T. noch über 40 freie Plätze !).

Und wenn MFB die Busse nicht meistens voll bekommt, werden auch wieder mehrere Buspartner direkt zum Vertragsende abspringen - generell kein gutes Zeichen und die Anzahl fernbuswilliger Busunternehmer ist sicherlich auch begrenzt.
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#10
Jeder Fernbusbetreiber macht seine eigene Kalkulation. Auf Dauer werden wir eh mit steigenden Preisen rechnen müssen, denn die Bus-Maut ist nur noch eine Frage der Zeit. Warum soll auch ein Straßennutzer priviligiert werden, wenn demnächst alle anderen für Autobahnen zaheln sollen.
Kostensenkungspotenziale bestehen noch beim Fahrereinsatz. Demnächst werden tschechische, polnische oder rumänische Fahrer zum Alltag gehören, die im Monat für € 1.000. fahren oder Hrz Iv-Aufstocker. Aber das wird den deutschen Pfennigfuchsern egal sein. Eine gute Leistung hat nun mal ihren Preis.
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