Internationale Expansion deutscher Fernbuslinien
#1
Hier dürfen Quellen und Meinunen rund um die internationale Expansion der deutschen Fernbuslinien zusammengetragen werden.

Der österreichische Kurier titelt heute über MeinFernbus:
http://kurier.at/wirtschaft/marktplatz/n...70.196.490 schrieb:Neue Wettfahrt der Fernbusse: Die deutsche Nummer eins am Markt will mit Kampfpreisen in Österreich Fuß fassen.

Im Wallstreet Journal findet sich eine Aussage von Flixbus
http://www.wsj.de/article/SB100014240527...75494.html schrieb:„Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht", sagt Engert. [...] „Mehr Städte, mehr Frequenzen" seien auch weiterhin die Wachstumsziele, dazu komme die Expansion ins Ausland.

Welche Potentiale und Risiken ergeben sich eurer Meinung durch die internationale Expansion.
Welche Strategien können die Fernbuslinien dabei fahren?
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#2
Hallo Frederic,

danke für das einrichten dieses Threads.

Grundsätzlich sind die Expansionspläne der Fernbusanbieter in dieser Richtung zu begrüßen. Angesichts der bis dato erfolgten Entwicklung in den jeweiligen Netzen ist dieser Schritt nur konsequent und folgerichtig.

Unsere Mobilitätsbedürfnisse enden heute ja nicht mehr an den jeweiligen Ländergrenzen. Gerade innerhalb der EU-Staaten bzw. in Mitteleuropa erfolgen Fernreisen beispielsweise zwischen München und Wien so selbstverständlich wie zwischen Hamburg und Stuttgart.

Diese Entwicklung wird sich auch in den kommenden Jahren so fortsetzen. Ein heute fast grenzenlos über ganz Europa hinweg mögliches Studium wird die Reisebedürfnisse ebenso weiter wachsen lassen, wie wir es aus dem Umfeld von Geschäft- und Gelegenheitsreisen bereits kennen.

Schaut man sich an, wie viele internationale Fernzugverbindungen in den vergangenen 5 bis 10 Jahren im Netz der Deutschen Bahn hinzugekommen sind, so liegen die Wachstumspotenziale wohl gerade im grenzüberschreitenden Fernverkehr begründet.

Nun ziehen die Fernbusanbieter in diesem Geschäftsfeld nach. Der IC Bus der Deutschen Bahn macht es eindrucksvoll vor. In diesem Monat startet eine weitere Linie und verbindet Düsseldorf mit Eindhoven und Antwerpen.

Fernbusanbieter wie MeinFernbus.de bieten solche Verbindungen nun bespielsweise auf Relationen an, wo frühere die Deutsche Bahn selbst auf der Schiene vertreten war. Die Linie Amsterdam - Dortmund - Sauerland ist so ein Beispiel.

Eine weitere wäre die neue Linie Saarbrücken - München - Simbach - Braunau - Wien. Bis vor einigen Jahren verkehrte hier noch ein internationaler Schnellzug zwischen München und Linz, ebenfalls mit Halt in Simbach und Branau.

Nun nimmt MeinFernbus.de auf dieser Linie ein interessante Entwicklung vorweg, über die seit vielen Jahren im Rahmen des Transeuropäischen Eisenbahnkorridors Paris - Stuttgart - München - Wien - Bratislava - Budapest diskutiert wird.

Man führt östlich von München über die A 94/B 12 eine Fernbuslinie, während über den parallelen Schienenausbau (als Teil des oben genannten Eisenbahnkorridor) von München über Mühldorf nach Salzburg weiterhin diskutiert wird. Ganz zu schweigen von der Planung und Realisierung dieses Vorhabens.

Ähnliche Diskussionen und Entwicklungen kann man auch an anderer Stelle beobachten. Der Ausbau der Schienenverkehrswege nach Polen und Tschechien kommt nicht voran bzw. ist in den vergangenen Jahren fast vollständig zum erliegen gekommen.

Die Reisezeiten auf dem Schienenweg sind heute häufig sehr unattraktiv. Der Bus wird hier nicht nur im Bezug auf den Preis, sondern gerade auch wegen der Fahrzeit zur echten Alternative.

Die Entwicklung zwischen Berlin und Prag bzw. München/Nürnberg und Prag spiegeln dies deutlich wieder.

Die Ankündigung von MeinFernbus.de auch in Richtung Südeuropa expandieren zu wollen ist nur konsequent.

Ziele die südlich des Alpenhauptkamms und der Julischen Alpen liegen kann man mit dem Zug heute kaum noch umsteigefrei erreichen. Die Gründe dafür sind recht unterschiedlich und haben durchaus auch etwas mit der Philosophie der jeweiligen Staatsbahnen zu tun.

Während Fernzüge Frankfurt/M - Mailand, Stuttgart - Mailand, München - Zagreb, München - Rom oder Nürnberg - Mailand vor 10 bis 15 Jahren noch Normalität im internationalen Bahnverkehr darstellten, sind sie heute Ausnahmen oder gar ganz verschwunden.

Angebote der Fernbusunternehmen dürften auf diesen und auch anderen Relationen auf eine entsprechende Nachfrage treffen.

Inwieweit einzelne Relationen bereits gesättigt sind, werden vermutlich die kommenden 2 Jahre zeigen. Das Angebot zwischen Berlin und Prag bzw. Nürnberg und Prag ist inzwischen sehr gut ausgebaut.

Auf anderen Verbindungen muss dieses dagegen erst noch entwickelt werden. Wenn sich die Deutsche Bahn mit ihren InterCity-Zügen zwischen Luxembourg und der Rhein/Ruhr-Region zurückzieht, entsteht umgehend eine Angebotslücke die die Fernbusanbieter (vielleicht sogar die Deutsche Bahn selbst mit dem IC Bus) wieder schließen können.

Viele internationale Direktverbindungen sind seit dem Rückzug der Deutschen Bahn bis heute praktisch verweist:
Köln - Mönchengladbach - Venlo - Eindhoven - Rotterdam
Köln - Aachen - Brüssel - Oostende
Hamburg - Münster - Dortmund - Köln - Paris
Frankfurt/M - Basel - Chiasso - Mailand (- Rom)
Stuttgart - Zürich - Chiasso - Mailand (- Neapel)
Berlin - Leipzig - Karlsbad - Prag

Verfolgt man das Network Design von MFB in diesem Zusammenhang aufmerksam, so kann man feststellen, dass über die Einrichtung internationaler Verbindungen zugleich weitere nationale Ziele geschaffen werden. Ebenso nutzt MFB bereits bestehende nationale Verbindungen um diese international weiter zu entwickeln. Dies sollte Synergien schaffen und kann die Auslastung bestehender Fahrten verbessern.

Es dürfte interessant sein zu beobachten, wie sich im Rahmen dieser internationalen Expansion das Liniennetz von Eurolines weiter entwickeln wird.

Eine Anmerkung in eigener Sache dazu:
Diese Entwicklung ist so spannend, dass es Sinn macht den Fernbus-Fahrplan schrittweise auf noch mehr internationale Destinationen zu erweitern. Die Sicht auf alle Anbieter, einer Relation, in einer Fahrplantabelle ist schon höchst spannend. Wink
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#3
Oha! Da hast Du die Zeit am Sonntag Nachmittag bis zum Anstoß beim ersten WM-Spiel des Tages ja ausreichend genutzt!

Ich bin doch immer wieder überrascht, wie viele internationale Verbindungen die Deutsche Bahn heut nicht mehr anbietet.

Die Vorstellung dass es zwischen Köln und Eindhoven keine Nachfrage gibt kann ich mir kaum vorstellen. Europa als Kontinent wächst zusammen und häufig hat man den Eindruck, dass diejenigen die dies durch ihre Transportleistungen fördern könnten, sich zurück ziehen.

In Italien ist mir das schon vor einigen Jahren aufgefallen. Die Staatsbahn fing irgendwann an keine internationalen Züge mehr fahren zu lassen. An den Grenzen zur Schweiz und Österreich war auf einmal Schluss. Das Geschäft überließ man anderen (DB und ÖBB von München nach Norditalien; ÖBB mit dem Intercitybus nach Venedig) oder seither dienen diese Grenzübergänge fast ausschließlich dem Güterverkehr oder einigen noch verbliebenen Nachtzügen.

Die Sache mit dem Eisenbahnkorridor Paris - Budapest war mir mit dem Start der MFB-Linie nach Wien noch gar nicht bewußt geworden.

Wenn die das jetzt zwischen Stuttgart und Mailand auch machen würden, wäre das zum ersten Mal seit dem Cisalpino-Desaster wieder eine Lichtblick auf dieser Reiseroute.

Ich würde es natürlich begrüßen wenn Du Deinen Fahrplan um die internationalen Verbindungen erweiterst. Die Zeitpunkt scheint günstig.
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#4
Ich denke auf diese Weise besteht auf internationalen Linien auch die Möglichkeit die Qualitätsstandards zu verbessern oder anders ausgedrückt welche zu schaffen.

Häufig ist dies heute ja eher an Sammelsurium unterschiedlicher Anbieter, die wiederum ganz bestimmte Nischen bedienen.

Da wird es interessant sein zu sehen, ob Unternehmen wie Ecolines, Sindbad und Co. Kunden an MFB und andere verlieren.

Ich hoffe ebenfalls auf eine Belebung einer Reihe internationaler Verbindungen, die bei der DB gar keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.
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