PROBLEM STUTTGART - Sperrige Städte austricksen
#1
In einigen Großstädten haben die Stadtverantwortlichen leider noch nicht begriffen, dass ein moderner ZOB für Fernbusse IM ZENTRUM dringend erforderlich ist - ähnlich wie vor 150 Jahren neue Bahnhöfe für die Eisenbahn. Die Städte, die damals geschlafen haben, sind teilweise heute noch schlecht bahnmäßig angebunden.

Ein aktueller Problemfall ist STUTTGART. Hier ist zwar ein neuer ZOB am Flughafen im Bau - dieser ist aber nur für eilig durchfahrende Linien auf der A8 und Fahrgäste aus den in Flughafennähe liegenden Vororten sinnvoll, wie z.B. Filderstadt oder Denkendorf. Das Stadtzentrum von Stuttgart ist über 30min mit der S-Bahn entfernt, dazu kommen noch Fußweg vom ZOB, Rolltreppen und Wartezeit. Das ist für alle Fahrgäste aus dem eigentlichen Stuttgarter Stadtgebiet sowie allen anderen Vororten z.B. in nördlicher oder östlicher Richtung absolut keine Lösung.

Offenbar hat schon onebus.de mit seiner Linie Probleme, einen Halt am ZOB Zuffenhausen genehmigt zu bekommen wegen angeblicher Überlastung dort - was kompletter Unsinn ist. Die dortigen Halteplätze müssen vernünftig optimiert werden - dann ist noch Platz für mehrere neue Linien dort. Aber für in Stuttgart endende Linien ist Zuffenhausen auch nicht ideal - der ZOB in Obertürkheim ist noch schlechter.

Es wird dringend Zeit, dass über alle Parteien und Medien dort Druck gemacht wird, dass schnell eine temporäre Citylösung (z.B. in einer Bürogebäude-Seitenstrasse wie in Brüssel direkt Nähe Hbf.) gefunden wird und dann in Ruhe ein geeignetes Grundstück gefunden wird, wo langfristig ein hochmoderner ZOB direkt im Zentrum gebaut wird.

Um bis dahin sperrigen Verantwortlichen ordentlich Druck zu machen, ist allen Anbietern zu empfehlen, vorübergehend für ein paar Jahre (dann werden es auch die Stuttgarter Politiker begriffen haben wie nötig ein Zentrums-ZOB ist) auf umliegende Vororte mit S- oder U-Bahnanschluß in Autobahnnähe auszuweichen.

KONKRETE BEISPIELE DAFÜR:
1)Korntal S-Bahnhof
2)Ditzingen S-Bahnhof
Beide liegen sehr schnell erreichbar an der A81 und sind eine zeitsparende Alternative für Nord-Süd-Linien zu Zuffennhausen.
3)In Ludwigsburg ist das Breuningerland DER zentrale Punkt direkt an der A81 für das gesamte nördliche Stuttgarter Umland. Ist zwar kein S-Bahnhof aber in Ba-Wü. haben viele ein Auto und werden abgeholt/gebracht zum Fernbus.
4)Böblingen S-Bahnhof, zumindest sehr sinnvoll für Linien Richtung Schwarzwald und Zürich, würde auch Sindelfingen mit abdecken.
5)Leinfelden S-Bahnhof ist wesentlich besser als Flughafen. Hier fährt auch zusätzlich direkt die U5 ins Zentrum und in weite Teile der Stadt. Nur 900m von der A8 sehr schnell erreichbar.

Weitere Alternative (z.B. wenn die Bürgermeister von Korntal und Ditzingen auch Probleme machen sollten) wäre noch Gerlingen-Breitwiesen U6.
Desweiteren ein Halt auf Privatgelände im Bereich Neckarpark-Mercedes-Welt. Deinbus wird ja in Wolfsburg aktiv von VW unterstützt, warum soll sowas ähnliches nicht auch in Stuttgart klappen. Wäre zwar auch keine perfekte Lage aber immer noch deutlich besser als Obertürkheim.

Die genannten Städte sind alle selbstständig und können selber entscheiden, ob sie auf den Landkarten Deutschlands groß rauskommen möchten als Fernbushalt an Stelle der größeren Nachbarstadt - ähnlich wie Neckarsulm neben Heilbronn. Jeder halbwegs klar denkende Bürgermeister dort wird sofort einen Halt in seiner Stadt genehmigen - auch weil er damit ganz viele Pluspunkte hat bei seiner Bevölkerung für seine Wiederwahl... .

Wenn sich die verschiedenen Fernbusanbieter geschickt auf diese Vorort-Haltepunkte verteilen, so dass es bald ca. 5 verschiedene Fernbus-Stops gibt rund um Stuttgart kann das Fahrgastpotential viel besser abgeschöpft werden als nur mit den drei aktuellen ZOBs bzw. dem neuen ZOB am Flughafen. Und wenn dann in 3, 4 Jahren weite Teile der Stuttgarter Bevölkerung aus den ganzen umliegenden Vororten in alle Städte bis nach Wien, Zürich, Paris, Hamburg und Berlin in dichtem Takt mit Fernbussen starten - während in den Zügen am Hbf. ziemlich wenig los ist, werden dann vielleicht die Stuttgarter Stadtverantwortlichen einsehen, dass dringend ein moderner Zentrums-ZOB notwendig ist... .

Also sperrige Städte austricksen indem stattdessen in günstig gelegenen Nachbarorten mit S-Bahnanschluß gehalten wird.
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#2
Alles hat seine Vor und Nachteile. Der Halt am Stuttgarter Flughafen hat den Vorteil das die gesamte Reisezeit kurz gehalten wird. Die Fahrzeit der S-Bahn von der Stadt zum Flughafen ist nicht über eine halbe Stunde sondern 27 Minuten Von der Stadtmitte nur 25 in relativ S-Bahn hohem Takt. Zu Gerlingen oder Ditzingen schau Dir mal den Takt an. Die ca. 10 Minuten die man schneller in der Stadt ist bringt nichts wenn wieder 20 Minuten auf die Bahn wartest. Außerdem ist für die im Bus sitzenden angenhmer nur kurz von der Autobahn runter zu fahren und wieder rauf als mit dem Bus durch die Stadt zu gurken. Gerade in Stuttgart. Talkesel rauf und runter. In Stuttgart Zentrum sind die Feinstaubwerte so wieso schon über dem Limit, da braucht man die Busse nicht noch zusätzlich.

//modedit: bitte sachlich bleiben
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#3
(18.01.2014, 10:01)Gast schrieb: Alles hat seine Vor und Nachteile. Der Halt am Stuttgarter Flughafen hat den Vorteil das die gesamte Reisezeit kurz gehalten wird.


Naja, Du musst doch unterscheiden zwischen der gesamten Reisezeit der Zu- und Aussteigenden gegenüber der gesamten Reisezeit der Sitzenbleibern. Das hängt zum einen von der Linienführung zusammen d.h. wie geschickt ist der Halt am Flughafen gegenüber der Innenstadt und zum zweiten, ob Stuttgart Zwischenhaltestelle oder Endhaltestelle ist. Das ist entscheidend und natürlich auch Folge des Angebots an Haltestellen.

Es ist daher mehr als nachvollziehbar in Stuttgart einen innenstadt-nahen Halt zu fordern.
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#4
Der Flughafenhalt ist nur sinnvoll für eilig durchfahrende Linien. Es gibt aber haute bereits in Stuttgart endende Linien (z.B. die von Onebus, es gibt auch Busse von MFB die nur Berlin-Stuttgart fahren z.B.) und da werden auch in Zukunft auch noch eine ganze Reihe neue Linien dazukommen. Es wird zum Beispiel auch noch sowas kommen wie Stuttgart-Zürich-Mailand - oder Stuttgart-Zürich-Genf-Lyon. Und mindestens alle diese Linien brauchen selbstverständlich - wie in allen anderen Städten - einen modernen ZOB direkt im Zentrum - im Idealfall Nähe Hauptbahnhof. Da gibt es auch überhaupt nichts dran zu diskutieren - wer gegen einen Zentrums-ZOB ist, kann nur ein Fernbus-Gegner sein. Und solange das eben noch nicht die lokal Verantwortlichen eingesehen haben, kann es eben sinnvoll sein, je nach Linienführung auch 2 x zu halten im Großraum Stuttgart. Die neue Flixbuslinie Konstanz-Berlin macht das ja schon z.B. . Eine Linie München-Heilbronn könnte dann z.B. am Flughafen halten UND eben in Korntal am Bahnhof. Eine Linie Mailand-Heilbronn könnte z.B. in Böblingen am Bahnhof und in Korntal halten. Wenn das viele Anbieter so machen, erhöht sich nach und nach der Druck auf die Verantwortlichen in Stuttgart auch über Oppositionsparteien und Medien. Dann fragen sich nämlich nach und nach alle, warum sie immer in Korntal austeigen müssen und nicht in Stuttgart am Hbf. z.B. .
Oder anders ausgedrückt: Wenn die meisten Menschen Fernbus fahren wollen, MUSS auch die Stadt Stuttgart einen neuen ZOB im Zentrum bauen. Und wenn es eben erst in 6, 8 oder 10 Jahren soweit ist weil ein Fernbus-ZOB in der aktuellen Stadtplanung offenbar komplett vergessen wurde.
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#5
Die Stuttgarter Stadtplanung war bereits in den 90er Jahren abgeschlossen und da war an eine Fernbusliberalisierung noch überhaupt nicht zu denken. Ich persönlich finde es gut, wenn es in Stuttgart 2 ZOB's geben würde, nämlich am ZOB Zuffenhausen noch 2 oder 3 Haltestellen freischaufeln (dies geht allerdings erst nach Abschluss der Bauarbeiten zu Stuttgart 21 und am Flughafen den neuen Stuttgart Airport Busterminal (SAB). Von Zuffenhausen zum Hbf ist es nicht sehr weit. Offensichtlich bist du zwar ein busexperte aber kein Stuttgart-Kenner.
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#6
(20.01.2014, 08:55)Herthafan schrieb: Die Stuttgarter Stadtplanung war bereits in den 90er Jahren abgeschlossen und da war an eine Fernbusliberalisierung noch überhaupt nicht zu denken.

Und was ist mit den zahlreichen internationalen Fernbuslinien? die gibt es quasi schon immer, haben aber keine politische Lobby. Es ist eine Schande, dass sich Städte wie Stuttgart über Jahre mit einem Provisorium wie dem ZOB in Obertürkheim zufriedengeben.
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#7
Bis jetzt kümmert sich da offenbar niemand drum... . Alle Busmarken - egal ob national oder international - müssen über Parteien und Medien DRUCK ausüben auf städtische Verantwortliche in Stuttgart. Auch Zuffenhausen ist keine langfristige Dauerlösung. Für die nächsten Jahre favorisiere ich einen Seitenstr.-ZOB nach dem Modell Brüssel (siehe Thema "moderne Busbahnhofe" hier im Forum unter Infrastruktur). Wenn dann ein passendes Grundstück gefunden ist, kann langfristig ein richtiger moderner ZOB mit großer geschlossener Wartehalle und kompletter Infrastruktur gebaut werden - und zwar nicht irgendwo sondern direkt im Zentrum, d.h. im Großraum zwischen Hbf., Charlottenplatz und Schwabstr. . Und wer langfristig irgendetwas anderes möchte, der ist schlicht und einfach gegen Fernbusse - warum auch immer.

Auch den internationalen Linien würde ich generell empfehlen, sperrige Städte, die Fernbusse wie Schmuddelkinder behandeln und irgendwo an den Stadtrand abschieben wollen möglichst generell zu boykottieren. Wenn z.B. 10 Linien in Korntal S halten und keine mehr in Stuttgart, dann erhöht das den Druck auf die Stuttgarter Stadtverantwortlichen.
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#8
"Und wer langfristig irgendetwas anderes möchte, der ist schlicht und einfach gegen Fernbusse - warum auch immer."

Toll. Immer so differenziert und andere Meinungen zulassend. Richtig expertenhaft.
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#9
Stuttgart hat die langfristige Planung nicht im Griff, egal ob ZOB oder S21.
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